Ein angeleitetes Programm, allein zu Hause bearbeitet
Der Effekt zeigt sich, aber nur in bestimmter Form, Dosis oder Situation. Die Bedingungen stehen im Eintrag.
Was die Studienlage zeigt
In einer randomisierten Studie mit 73 Personen aus der Allgemeinbevölkerung senkte ein achtwöchiges internetgestütztes Programm die Einsamkeit gegenüber einer Warteliste deutlich (Cohens d = 0,77). Eine größere dreiarmige Folgestudie mit 170 Personen verglich zwei Verfahren miteinander und mit einer Warteliste: Das verhaltenstherapeutische Programm wirkte stärker als die Warteliste (d = 0,71) und stärker als das interpersonelle Programm (d = 0,53), Letzteres unterschied sich nicht von der Warteliste. Nur die verhaltenstherapeutische Gruppe hatte zusätzlich weniger depressive und Angstsymptome. In der Zweijahres-Nachbeobachtung der ersten Studie waren die Verbesserungen erhalten und hatten in der Gesamtgruppe weiter zugenommen. Eine breitere Meta-Analyse (Hansen und Kolleg:innen 2025) wertete 40 randomisierte Studien mit zusammen 6.062 Personen zu digitalen Maßnahmen aus. Sie berücksichtigte nur Veröffentlichungen ab 2022 und enthält die schwedischen Studien deshalb nicht. Für selbstgeführte Einzelprogramme mit psychologischem Inhalt fand sie über 13 Studien einen kleinen Effekt von etwa 0,2. Bei gruppenbasierten psychologischen Programmen lag der Effekt über 6 Studien bei 0,34. Drei Studien zu sozialer Unterstützung und sozialem Kontakt zeigten keinen belastbaren Effekt, das Konfidenzintervall schloss die Null ein. Die Arbeit wertete auch andere Maßnahmen aus, etwa Aktivitäten und robotische Haustiere, die hier nicht Thema sind. Ob eine Begleitung durch Fachpersonen den Ausschlag gibt, konnte sie nicht entscheiden, sie fand dazu nur einen Trend ohne statistische Absicherung.
Und was sie einschränkt
Die beiden Kernstudien stammen aus derselben schwedischen Arbeitsgruppe, die Stichproben sind klein, und die erste Studie bezeichnet sich selbst als Pilotstudie. Einen aktiven Vergleich gibt es nur in der Folgestudie, wo zwei Programme gegeneinander antraten, alle übrigen Vergleiche liefen gegen eine Warteliste. In der Zweijahres-Nachbeobachtung lieferten nur 44 der 73 Personen Daten, und wie stark jemand die Techniken weiter genutzt hatte, hing nicht mit dem Ergebnis zusammen. In dieser Nachbeobachtung gab es keine Kontrollgruppe ohne Programm mehr, weil auch die Wartelistengruppe das Programm erhalten hatte. Von den 40 Studien der Meta-Analyse hatten 21 ein hohes, 17 ein unklares und nur 2 ein niedriges Verzerrungsrisiko. Entscheidend für die Übertragung ist, dass die untersuchten Programme strukturiert und begleitet waren, mit wöchentlichen Modulen und Rückmeldung. Von diesen Ergebnissen auf eine beliebige App ohne Begleitung zu schließen, ist durch die Daten nicht gedeckt.
Worauf es dabei ankommt
Wer ein Programm sucht, findet in den wirksamen Studien drei Merkmale, nämlich eine feste Struktur über mehrere Wochen, eine Rückmeldung durch eine Person und Inhalte, die an Erwartungen und Deutungen arbeiten. Ob die Rückmeldung durch eine Person den Ausschlag gibt, ist offen. Die Meta-Analyse fand dazu nur einen Trend ohne statistische Absicherung, und die Zweijahres-Nachbeobachtung der ersten Studie kann die Frage wegen ihres Designs und der kleinen Stichprobe nicht beantworten.
Für wen eher nicht
Nicht geeignet ohne ausreichende Lese- und Sprachroutine oder ohne verlässlichen Zugang zu einem Gerät, und nicht als alleiniger Weg, wenn schon mehrere Anläufe abgebrochen wurden. Nicht als alleinige Maßnahme, wenn zusätzlich anhaltende Niedergeschlagenheit, Interesselosigkeit an fast allem, Hoffnungslosigkeit oder starke Selbstvorwürfe bestehen. Einsamkeit und depressive Beschwerden treten häufig zusammen auf, und eine depressive Episode gehört ärztlich oder psychotherapeutisch abgeklärt.
Was es nicht ersetzt
Kein Ersatz für psychotherapeutische Beratung oder Behandlung. Die untersuchten Programme waren begleitet, nicht sich selbst überlassen.
Vorher klären
Wenn zur Einsamkeit Gedanken kommen, nicht mehr leben zu wollen: Telefonseelsorge 0800 1110111, rund um die Uhr, kostenfrei und anonym. Bei akuter Gefahr 112.
Quellen
Jede Quelle wurde vor der Veröffentlichung von einem Psychologen geprüft.
- 1. Käll A. et al. (2020). Internet-Based Cognitive Behavior Therapy for Loneliness: A Pilot Randomized Controlled Trial. Behavior TherapyRandomisierte Studie · 73 Personen
- 2. Käll A. et al. (2021). Therapist-Guided Internet-Based Treatments for Loneliness: A Randomized Controlled Three-Arm Trial Comparing Cognitive Behavioral Therapy and Interpersonal Psychotherapy. Psychotherapy and PsychosomaticsRandomisierte Studie · 170 Personen
- 3. Käll A. et al. (2020). Lonesome no more? A two-year follow-up of internet-administered cognitive behavioral therapy for loneliness. Internet InterventionsRandomisierte Studie · 44 von 73 Personen in der Nachbeobachtung
- 4. Hansen T. et al. (2025). Digital bridges to social connection: A systematic review and meta-analysis of digital interventions for loneliness and social isolation. Internet InterventionsMeta-Analyse · 40 randomisierte Studien, 6.062 Personen
Selbsthilfe ersetzt keine Behandlung und keine Diagnose. Was hier steht, ist keine Empfehlung für deinen Fall, sondern eine Zusammenfassung von Forschung.
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