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Bewegung bei depressiver Verstimmung

Belegt, unter BedingungenDrei Übersichtsarbeiten aus dem Jahr 2024 zeigen den Effekt in dieselbe Richtung, die größte davon mit 218 randomisierten Studien. Wie sicher die Befunde sind, beurteilen sie unterschiedlich. Bei Noetel und Kolleg:innen ist die Vertrauenswürdigkeit niedrig bis sehr niedrig, bei Tang und Kolleg:innen für 4 der 7 Bewegungsformen gegenüber der Kontrollgruppe hoch.

Der Effekt zeigt sich, aber nur in bestimmter Form, Dosis oder Situation. Die Bedingungen stehen im Eintrag.

Was die Studienlage zeigt

Die umfangreichste Arbeit ist die Netzwerk-Meta-Analyse von Noetel und Kolleg:innen aus dem Jahr 2024 im BMJ mit 218 randomisierten Studien und 14.170 Teilnehmenden. Gegen aktive Kontrollbedingungen nennt ihr Ergebnisteil mittlere Effekte für Gehen oder Joggen (Hedges' g = -0,63 bei 51 Studien und 1.210 Teilnehmenden), Yoga (g = -0,55 bei 33 Studien und 1.047 Teilnehmenden), Krafttraining (g = -0,49 bei 22 Studien und 643 Teilnehmenden), gemischtes Ausdauertraining (g = -0,43 bei 51 Studien und 1.286 Teilnehmenden) sowie Tai Chi und Qigong (g = -0,42 bei 12 Studien und 343 Teilnehmenden). Den größten Einzelwert erreichte Tanz (g = -0,96), er beruht aber nur auf 5 Studien mit zusammen 107 Teilnehmenden. Die Effekte fielen mit steigender verordneter Intensität stärker aus, leichte Bewegung erreichte g = -0,58 und anstrengende g = -0,74. Bei Krafttraining und Yoga brachen Teilnehmende seltener ab als in der aktiven Kontrollbedingung (Krafttraining Odds Ratio 0,55 bei 6 Studien und 247 Teilnehmenden, Yoga 0,57 bei 5 Studien und 264 Teilnehmenden), in allen übrigen Armen unterschied sich die Abbruchquote nicht von der Kontrolle. Correia und Kolleg:innen fanden 2024 in 10 Studien mit 956 Teilnehmenden mit Depression einen Gesamteffekt von SMD = -0,76 (95 % Konfidenzintervall -1,18 bis -0,34). Tang und Kolleg:innen werteten 2024 in einer Netzwerk-Meta-Analyse 47 Studien mit 2.895 älteren Erwachsenen aus.

Und was sie einschränkt

In derselben Arbeit von Noetel und Kolleg:innen erfüllte nur eine einzige der 218 Studien die Cochrane-Kriterien für ein niedriges Bias-Risiko. Die Vertrauensbewertung nach CINeMA fiel dort für Gehen und Joggen niedrig aus und für alle übrigen Bewegungsformen sehr niedrig. Die Autorenschaft schreibt, eine Verblindung sei bei Bewegungsstudien schwerer als bei Medikamenten, hält sie aber für machbar und empfiehlt sie künftigen Studien. Solange sie fehlt, können Erwartungseffekte in die Zahlen eingehen. Anders fiel das Urteil bei Tang und Kolleg:innen zu älteren Erwachsenen aus, dort wurde die Evidenz für 4 der 7 Bewegungsformen im Vergleich zur Kontrollgruppe als hoch eingestuft. Correia und Kolleg:innen fassen nur 10 Studien zusammen.

Worauf es dabei ankommt

Wie viel und wie anstrengend, dazu geben die drei Arbeiten keine einheitliche Antwort. Bei Noetel und Kolleg:innen 2024 stieg der Effekt mit der verordneten Intensität, während für die wöchentliche Energiemenge kein klarer Zusammenhang herauskam. Correia und Kolleg:innen 2024 nennen zwar Teilwerte zu Dauer, Intensität und Gruppenangeboten. Diese beruhen aber jeweils nur auf einem Teil der zehn Studien und werden hier nicht wiedergegeben. Zu Gruppen- und Einzeltraining nennt der Ergebnisteil von Noetel und Kolleg:innen ähnliche Gesamteffekte (Einzeltraining g = -1,10, Gruppentraining g = -1,16), einzelne Verfahren wie Yoga ließen sich aber besser in Gruppen vermitteln. Für ältere Erwachsene beziffern Tang und Kolleg:innen 2024 in 47 Studien mit 2.895 Teilnehmenden einen klinisch wirksamen Gesamtbereich von 600 bis 970 METs-Minuten pro Woche. Für Gehen lag die klinisch wirksame Mindestdosis bei 650 METs-Minuten pro Woche.

Für wen eher nicht

Bei Tang und Kolleg:innen 2024 nahm die Wirkung mit dem Alter ab, ab etwa 80 Jahren war sie vermindert, und jenseits von 81 Jahren war sie in dieser Auswertung nicht mehr statistisch belastbar (47 Studien, 2.895 Teilnehmende, mittleres Alter der Einzelstudien zwischen 59,6 und 87,9 Jahren). Das ist ein Ergebnis aus einer Meta-Regression und kein Nachweis, dass Bewegung in hohem Alter nichts mehr bringt. Wer körperliche Vorerkrankungen hat, besonders am Herzen, klärt die Belastung vorher ärztlich ab.

Was es nicht ersetzt

In diesen Arbeiten wurde Bewegung gegen Wartelisten, gegen die übliche Versorgung sowie gegen Psychotherapie und Antidepressiva geprüft, teils auch ergänzend dazu. Noetel und Kolleg:innen schreiben ausdrücklich, ihre Übersicht sei nicht darauf angelegt gewesen, alle Studien zu Psychotherapie und Medikamenten zu finden, und ihre Schätzwerte dürften die dafür einschlägigen Übersichten nicht verdrängen. Bewegung ersetzt daher weder eine Psychotherapie noch eine ärztlich verordnete Medikation. Wer über längere Zeit nicht aus einem Tief herausfindet, holt sich Unterstützung bei einer Psychologin, einem Psychologen oder in der Hausarztpraxis.

Vorher klären

Bei Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Herzrasen unter Belastung sofort abbrechen und ärztlich abklären lassen. Wenn zur gedrückten Stimmung Gedanken kommen, nicht mehr leben zu wollen, hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei unter 0800 111 0 111.

Quellen

Jede Quelle wurde vor der Veröffentlichung von einem Psychologen geprüft.

  1. 1. Noetel M. et al. (2024). Effect of exercise for depression: systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials. BMJNetzwerk-Meta-Analyse · 218 Studien, 14.170 Teilnehmende
  2. 2. Tang L. et al. (2024). Optimal dose and type of exercise to improve depressive symptoms in older adults: a systematic review and network meta-analysis. BMC GeriatricsNetzwerk-Meta-Analyse · 47 Studien, 2.895 Teilnehmende
  3. 3. Correia É. M. et al. (2024). Analysis of the Effect of Different Physical Exercise Protocols on Depression in Adults: Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Sports HealthMeta-Analyse · 10 Studien, 956 Teilnehmende

Selbsthilfe ersetzt keine Behandlung und keine Diagnose. Was hier steht, ist keine Empfehlung für deinen Fall, sondern eine Zusammenfassung von Forschung.

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