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Internetbasierte Verhaltenstherapie bei Ängsten

Gut belegtgut belegt ist, dass begleitete Programme gegenüber Warten wirken. Der direkte Vergleich mit Therapie vor Ort ist zu klein für ein Urteil. Ohne Begleitung ist die Datenlage schwächer, nicht gegenteilig

Mehrere unabhängige Übersichtsarbeiten oder Meta-Analysen zeigen einen Effekt in dieselbe Richtung.

In Selbsthilfeform untersucht. Bei den meisten Maßnahmen wird von begleiteten Settings auf die Selbstanwendung geschlossen. Hier wurde die Selbstanwendung selbst geprüft. Das ist ein echter Unterschied in der Aussagekraft.

Was die Studienlage zeigt

Ein Cochrane-Review über 38 Studien mit 3.214 Teilnehmenden fand für therapeutisch begleitete Online-Verhaltenstherapie gegenüber Warteliste ein Risikoverhältnis von 3,75 für klinisch bedeutsame Besserung. Diese Zahl stammt aus 11 der 38 Studien mit zusammen 866 Teilnehmenden, nicht aus dem gesamten Review. Gegenüber Therapie im Sprechzimmer zeigte sich kein klarer Unterschied, allerdings beruht dieser Vergleich auf nur vier Studien mit 365 Teilnehmenden. Das ist zu wenig, um Gleichwertigkeit festzustellen, und die Autor:innen fordern dafür ausdrücklich eigene Studien. Eine Meta-Analyse über 154 randomisierte Studien mit 45.335 Teilnehmenden und mindestens zwölf Monaten Nachbeobachtung fand für Angstsymptome einen mittleren Effekt über den Zeitraum von Beginn bis zwölf Monate (g = 0,44 aus 44 Studien) und einen kleinen Effekt, wenn man die Messwerte ab zwölf Monaten zusammenfasst (g = 0,23 aus 78 Studien). Die Wirkung hält also, sie wird mit der Zeit aber kleiner. Eine Meta-Analyse von elf Studien mit direktem Vergleich fand begleitete Programme nur geringfügig besser als selbstgeführte (g = 0,16), wobei mehr Begleitung mit größerem Vorsprung einherging.

Und was sie einschränkt

Die Cochrane-Autor:innen stuften die Vertrauenswürdigkeit der Belege durchgehend als niedrig ein, für den Vergleich begleitet gegen unbegleitet sogar als sehr niedrig. Dort steht am wenigsten fest. Von den 38 Studien stammen 32 aus Schweden und Australien. Über Schäden wurde kaum berichtet, was nicht dasselbe ist wie keine Schäden.

Worauf es dabei ankommt

Zur Frage, ob solche Programme schaden können, gibt es eine Meta-Analyse auf Ebene der Einzelpersonen aus 18 Studien mit 2.079 Teilnehmenden (zu Depression, nicht zu Ängsten): Verschlechterung trat in den Interventionsgruppen SELTENER auf als in den Kontrollgruppen, 3,4 gegenüber 7,6 Prozent. Eine Ausnahme gab es: Bei Menschen mit niedriger formaler Bildung war dieser Schutzeffekt nicht nachweisbar.

Für wen eher nicht

Nicht als alleinige Maßnahme bei schwerer Ausprägung, akuter Krise oder wenn schon mehrere Anläufe ohne Begleitung gescheitert sind.

Was es nicht ersetzt

Kein Ersatz für eine Diagnose. Ein Programm prüft nicht, ob hinter der Angst etwas anderes steckt.

Vorher klären

Übungen, bei denen Sie sich der Angst stellen, machen kurzfristig unruhiger. Das gehört dazu und ist kein Grund aufzuhören. Etwas anderes ist es, wenn es über mehrere Tage schlechter wird, wenn Sie sich zurückziehen oder der Schlaf kippt. Dann ist Begleitung suchen der richtige Schritt, nicht Durchhalten. Wenn die Angst mit Gedanken einhergeht, nicht mehr leben zu wollen: Telefonseelsorge 0800 1110111, rund um die Uhr und kostenfrei. Bei akuter Gefahr 112.

Quellen

Jede Quelle wurde vor der Veröffentlichung von einem Psychologen geprüft.

  1. 1. Olthuis J. et al. (2016). Therapist-supported Internet cognitive behavioural therapy for anxiety disorders in adults. Cochrane Database of Systematic ReviewsSystematische Übersicht · 38 Studien, 3.214 Teilnehmende
  2. 2. Zainal N. H. et al. (2024). Do the effects of internet-delivered cognitive-behavioral therapy (i-CBT) last after a year and beyond? A meta-analysis of 154 randomized controlled trials. Clinical Psychology ReviewMeta-Analyse · 154 Studien, 45.335 Teilnehmende
  3. 3. Oey L. T. et al. (2023). Guided versus self-guided internet delivered cognitive behavioural therapy for diagnosed anxiety and related disorders: a preliminary meta-analysis. Cognitive Behaviour TherapyMeta-Analyse · 11 Studien, 1.414 Teilnehmende
  4. 4. Ebert D. et al. (2016). Does Internet-based guided-self-help for depression cause harm? An individual participant data meta-analysis on deterioration rates and its moderators in randomized controlled trials. Psychological MedicineMeta-Analyse · 18 Studien, 2.079 Teilnehmende

Selbsthilfe ersetzt keine Behandlung und keine Diagnose. Was hier steht, ist keine Empfehlung für deinen Fall, sondern eine Zusammenfassung von Forschung.

Wenn es akut ist: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenfrei. In Lebensgefahr die 112.